Gabi Kainberger, 2018

 

Der Wind bläst mir um die Ohren, er peitscht mir Schnee ins Gesicht. Kein Entrinnen. Ich stelle mich mit dem Rücken zum Wind. Ich betrachte das Geriesel, die Graupel, den Matsch, mir kommt das Buch „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ in den Sinn. Smilla ist eine Romanfigur, die den Schnee in all seinen Daseinsformen kennt, ihn zu lesen und zu deuten versteht. Ich bin im Waldviertel, genauer gesagt in Hörmans bei Weitra, eine raue Gegend, zumindest im Winter. Myriam Urtz lebt und arbeitet hier. Hier hat sie auch ihr Atelier, in einem 350jährigen Bauernhof, nicht zu Tode renoviert, mit Gespür halt. Was heißt es, wenn man ein Gespür für etwas hat?

 

Fräulein Myriams Gespür für Ton

 

Myriam beschäftigt sich seit Jahrzehnten intensiv mit Ton, sie versteht ihn, weiß wie er funktioniert, wo seine Grenzen und Möglichkeiten sind, diese auszuloten ist immer auch ein Grenzgang. Sie sagt, Keramikerin sein, lehrt einem Demut. Ihr innewohnend ist ein tiefes Verständnis für den Ton, für Feuer, für Keramik. Sie hat ein Gespür für das Material, sie weiß um die vielfältigen Erscheinungsformen. Ihr großes handwerkliches Wissen und Können, diese Meisterschaft macht es ihr möglich ihren künstlerischen Aussagen Form zu geben. Das Material muss man verstehen, beherrschen um die Möglichkeit zu haben, alles auszuloten, an die Grenzen des Materials zu gehen. Dann kann man erschaffen, es erwachsen Formen aus dem Material. Es ist ein ganzheitlicher Schaffensprozess, wenig arbeitsteilig. Der Gedanke, die Überlegungen und die Ausführung sind nicht getrennt, sie sind eine Einheit.Myriam beherrscht keramische Techniken aus der Ur- und Frühgeschichte, sie ist Expertin im Lehmofenbau für experimental-archäologische Studien. Dieses Zurückgehen zu den Anfängen zeigt sich nicht nur in einigen ihrer Techniken sondern auch in manchen Themen.

 

Von Musen, Göttinnen und anderen Weibsbildern

 

Ihre frühen Frauenfiguren sind Göttinnenund Musen, im Laufe der Jahre haben sich diese mit irdischen Frauen verbunden. Nun sind die Frauengestaltenauch humorvolle Figuren des Alltags, immer aber mit der überzeugenden inneren Haltung einer Göttin. Ich liebe diesen Blick auf das Nicht-Perfekte, das, liebevoll betrachtet, unverzichtbarer Bestandteil der Dargestellten ist. Myriams Weibsbildersind ausgestattet mit geschwätzigen Mündern, liebevollen Augen, hochnäsigen Nasen, stolzen Brüsten,selbstbewussten Hinterteilen und schüchternen Zehen. Weibliche Archetypen mit ornamentalen Verzeirungen sind genauso vertreten wie moderne Göttinnen oder herzhaft lachende Alltagsheldinnen.

 

Von Traumreitern,  anmutigen Geschöpfenund einem Mann 

 

Zu den Göttinnen und Weibsbildern gesellen sich nun andere Geschöpfe. Das Universum wird erweitert. Die Katze betritt die Bühne, sie gehört wie selbstverständlich dazu, ist Spielgefährtin, Spiegelbild, Wunschbild und Begleiterin mancher Frauenfiguren. Tierische Gestalten kommen nun zum Vorschein, ziegenbockartige, hirschähnliche Schweinhörner. Sie sind Reittiere von unzähligen mythischen, zauberhaften, absurden, aberwitzigen Gestalten. Diese Traumreiter sind eine hommage an die Eigenheit, die Selbstbestimmtheit und Freiheit der Figuren, entgegen allen Konventionen und Regeln. Diese Geschöpfe sind beglückte, entrückte, faunartige, naive, energische, tölpelhafte und glückselige Wesen. Diese Gestalten sind unterwegs, ohne besonderes Ziel, vielleicht auch um diesen Kosmos zu erkunden. Welch ein Reigen, welch ein Zirkus! 

 

Vom Paradies und den zehn Geboten

 

Der Boden ist tragfähig, der Raum definiert. Und siehe da! Das UrtzscheUniversum wird zum Paradies.Nun erhält auch der Mann Eintritt. Noch ein bisschen zögerlich taucht er auf, als Umarmender,  Stützender erscheint er.

 

Das unwirtliche Wetter, die Kälte treibt mich dann doch aus Myriams Atelier zurück in die gute, warme Stube am Bauernhof. Man ist dort immer herzlich willkommener Gast, wird bewirtet, bekocht und beschützt.Am Tisch eine Tontafel, ein Untersetzer, der die Tischoberfläche vor der heißen Pfanne schützt. In den Tontafel hineingedrückt sind Buchstaben, ich lese:

 

Liebe – Zart – Zauber – Zeit – Glück – Hoffnung – Respekt – Mut – Humor - Freude

 

Ich muss schmunzeln, es sind zehn Begriffe. Vielleicht sogar die zehn Gebote des Urtzschen Universums.

 

 

The wind blows around my ears, it whips me snow in the face. No way out. I stand with my back to the wind. I look at the drizzle, the sleet, the mud, the book "Miss Smilla's sense of snow" comes to my mind. Smilla is a fictional character who knows the snow in all its forms of existence, knows how to read and interpret it. I'm in the Waldviertel, more precisely in Hörmans near Weitra, a rough area, at least in winter. Myriam Urtz lives and works here. Here she also has her studio, in a 350-year-old farm, not renovated to death, with a keen sense. What does it mean to have a sense of something?

 

Miss Myriam's sense of sound
Myriam has been working intensively with clay for decades,
she understands it, knows how it works, where its limits and
possibilities are to explore them is always a border crossing.
She says being a ceramist teaches a humility. Its inherent is a deep
understanding of clay, of fire, of ceramics. She has a feeling for
the material, she knows about the manifold manifestations.
Her great craft knowledge and skills, this mastery makes it possible
to give shape to her artistic statements. The material has to be
understood, mastered in order to have the opportunity to explore
everything, to go to the limits of the material. Then you can create,
it grows forms from the material. It is a holistic creative process,
with little division of labor. The thought, the reflections and the
execution are not separate, they are one unit. Myriam masters ceramic
techniques from prehistory and early history, she is an expert in clay
furnace construction for experimental-archaeological studies. This
return to the beginning is not only evident in some of their techniques
but also in some topics.
Of muses, goddesses and other females
Their early female figures are goddesses and muses, 
and over the years they have become associated with earthly women.
Now the female figures are also humorous figures of everyday life,
but always with the convincing inner attitude of a goddess. I love
this look at the non-perfect, which, lovingly considered, is an
indispensable part of the sitter. Myriam's wives are endowed with
talkative mouths, loving eyes, snooty noses, proud breasts, confident
buttocks, and shy toes. Female archetypes with ornamental ornaments
are represented as well as modern goddesses or heartily laughing
everyday heroines.
From dream riders, graceful creatures and a man
Other creatures now join the goddesses and wives.
The universe is being expanded. The cat enters the stage,
it goes without saying, is play companion, mirror image,
wish picture and companion of some female figures. Animal
figures now emerge, goat-like, deer-like pig horns. They
are mounts of countless mythical, enchanting, absurd, crazy characters.
These dream riders are a tribute to the peculiarity,
the self-determination and freedom of the characters,
contrary to all conventions and rules. These creatures are happy,
moved, faun, naive, energetic, boorish and blissful creatures.
These characters are on the way, with no special destination,
maybe also to explore this cosmos. What a dance, what a circus!
From paradise and the ten commandments.
The floor is stable, the room is defined. And behold! 
The UrtzscheUniversum becomes a Paradies.Nun also receives
the man entrance. A bit hesitantly, he appears as a hugging,
supportive he appears.
The inhospitable weather, the cold drives me then but from Myriam's
studio back to the good, warm room on the farm. It is always a welcome
guest, is hosted, cooked and protected. At the table a clay tablet,
a coaster, which protects the table surface in front of the hot pan.
Letters are pressed into the clay tablet, I read:
Love - tender - magic - time - happiness - hope - respect -
courage - humor - joy
I have to smile, there are ten terms. Maybe even the ten commandments 
of the Urtz universe.

 

 Sylvia Kieslinger, 2018

 

Die einzige berufliche Zukunft die ich mir mit 18 Jahren vorstellen konnte war Keramikerin zu werden. Ich war besessen von dem Werkstoff Ton und seinen schöpferischen Möglichkeiten. Und doch sollte aus mir keine Töpferin werden, aber die Frage „Was für eine ich gerne geworden wäre, wenn doch...“ hat mich nach meiner Ablehnung auf der Kunstuniversität in Linz noch jahrzehntelang ernsthaft beschäftigt... und dann traf ich im Waldviertel auf die so wunderbar mit ihren Werken verwobene Myriam Urtz und hatte meine Antwort. Myriam ist eine Geschichtenerzählerin. Und es sind Meistergeschichten die unsihrewunderbaren Geschöpfe erzählen. Sie haben mich den Unterschied zwischen reiner Begeisterung und echter künstlerischer Begabung gelehrt. I canseeclearlynow – und verneige mich tief vor der wunderbaren Künstlerin Myriam Urtz.

Sylvia Kislinger

 

 

Matthias Schawerda, 2017

 

Myriam Urtz lebt in dem Haus mit der schönsten und vermutlich auch einzigen original Barockfasade in Hörmanns bei weitra. durch das Tor betritt man eine Welt, die alles außerhalb wie eine graue Leere erscheinen läst. Ihr Atelier gleicht einer keramischen Wunderkammer, geschaffen von einer künstlerin mit schier nie endender Fantasie. Ihr handwerkliches Können und ihr Verständniss für Proporzionen, Schaffen die Möglichkeit die produkte ihrer Fantasie unmittelbar aus ihren händen fliesen zu lassen. Die EIndrücke sind auf einmal kaum zu fassen. Man sollte sich von der leichtigkeit ihres arbeitens nicht täuschen lassen so unverkrampft wie sie arbeitet, legt sie auch ohne zweifel das werkzeug zur seite und begiebt sich in den Liegestuhl.

 

Ich schätze Myriam als Kollegin, bei der Arbet und beim Feiern, wegen ihres Könnens, ihrer Witzigkeit und ihrem Zug zum Praktischen.

 

Matthias Schawerda 2017

 

 

Marta und Leo, Schweiz, 2017

 

“Du Myriam, vielschichtiges, freundschaftliches, humorvolles und originelles Wesen!

  Strotzend vor Lebensfreude, Mut zum Experimentellen und voller Kreativität. Wie freut

  sich Mutter Erde, immer unter Deinen geschickten Händen neue Gestalt anzunehmen...

 

  Kurz: wer Myriam und ihre Arbeiten noch nicht kennt, hat etwas verpasst!”

 

Marta und Leo Büchler / Schweiz / Altstetten

 

"You Myriam, multilayered, friendly, humorous and original character!

 

  Full of zest for life, courage for the experimental and full of creativity. How happy feels

 

  Mother Earth, always taking new shapes under your skilled hands ...

 

  In short: anyone who does not know Myriam and her work has missed something! "

 

 Marta und Leo, Schweiz

 

Kommentare: 25
  • #25

    Susanna Andreini (Donnerstag, 14 Juli 2016 16:03)

    Liebe Myriam,
    Es war spannend, dich und deine Göttinnen auf der Göttinnenkonferenz in Wien kennenzulernen. Danke für die Inspirationen und weiterhin frohes Schaffen!
    Susanna Andreini
    Feine FigurenKunst, Salzburg

  • #24

    Georg Lohmann (Dienstag, 10 November 2015 21:31)

    Servus, habe gerade jemandem von Deiner Arbeit vorgeschwärmt und Deine website empfohlen. Glück und Zufriedenheit wünscht Dir--Georg

  • #23

    gernot der homöo-pate (Dienstag, 23 Juni 2015 22:15)

    hei myra - du liabe !
    waunst do so sitzt mit dein model - moant ma du tuast´s grod frisian und sie hoit jo so stü wei´s di mog !
    i di a ! gean.

  • #22

    gernot der homöo-pate (Dienstag, 23 Juni 2015 22:05)

    hei myra - du liabe !
    waunst do so sitzt mit dein model - moant ma du tuast´s grod frisian und sie hoit jo so stü wei´s di mog !
    i di a ! gean.

  • #21

    Gottfried Schaffar (Sonntag, 08 März 2015 17:42)

    Danke für das tolle Seminar. Ich werde noch lange davon zehren. Bin schon für das Dezember Seminar angemeldet.

    Einfache Begeisterung

  • #20

    Renate Wiesner (Sonntag, 31 August 2014 19:04)

    Liebe Myriam,
    es hat mich sehr gefreut, dich am Wochenende in Gargellen kennenzulernen. :-) Und jetzt habe ich gleich ganz neugierig deine Homepage studiert. TOLL! Ich wünsche dir alles Gute!
    Liebe Grüße
    Renate

  • #19

    Marion (Sonntag, 29 September 2013 10:05)

    Liebe Myriam,
    meine Hochachtung vor deinem Mut, deinem Können und Schaffen. Möge der Zuspruch für deine Arbeit stetig wachsen!
    Das wünsche ich dir und finde deine Werke wie dein Atelier beeindruckend,
    Herzlich,
    Marion

  • #18

    Birgit & Markus (Montag, 24 Juni 2013 17:29)

    Liebe Myriam,
    es war nett dich wieder in Schwarzenbach zu treffen. Ich hoffe der Energieaustausch ist anhaltend ;) und die Homepage ist spitze! :D
    Bis bald
    Birgit

  • #17

    Sigrid & Andreas (Sonntag, 23 Juni 2013 20:09)

    Hallo Myriam,
    haben dich heute in Schwarzenbach beim Keltenfest kennengelernt. Vielen Dank für deine Tipps zum Thema Lehmöfen. Wir sind soeben durch dein virtuelles Atelier spaziert und begeistert von deinen dort gezeigten Arbeiten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir dich bald in Hörmanns besuchen werden.
    Lg bis demnächst, Sigrid und Andreas

  • #16

    Bernhard (Mittwoch, 20 März 2013 08:10)

    einen recht lieben Gruss aus Tinos!
    Du hast es aber nicht besonders lang in Stoob ausgehalten.. :)
    Bernhard Aicher

  • #15

    hilde fehr (Freitag, 14 Dezember 2012 11:30)

    liebe myriam,
    mir hat gerhard von deinen arbeiten erzählt... so bin ich auf deiner page gelandet...

    MEGA GEIEIEIEIEIL was du da machst!!!
    hut chapeau und große beeindruckung meinerseits...

    ganz liebe grüße hilde fehr

  • #14

    Gabi Linser (Freitag, 19 Oktober 2012 21:11)

    Hat mir große Freude gemacht, durch dein Atelier zu spazieren,danke!
    Alles Liebe Gabi

  • #13

    Alexander Urtz (Freitag, 21 September 2012 12:59)

    bin gerade über Deine hompage gestolpert. gefällt mir gut. Wenn es Dir recht ist stelle ich ein paar Bilder bei mir auf facebook. Eine kleine Beschreibung zu jedem Bild wäre nett. Noch einen schönen Tag, Servus Alex

  • #12

    Elisabeth & Stefan (Sonntag, 22 April 2012 15:21)

    Liebe Myriam,
    wir gratulieren dir sehr herzlich zu deiner tollen Homepage und weiterhin viel Schaffensfreude.

    glG aus WT
    Elisabeth u. Stefan

    Alles

  • #11

    Gaby A. (Sonntag, 22 April 2012 09:29)

    Liebe Myriam,

    wünsch Dir weiterhin so frohes und "flowes" Schaffen!
    Wirklich toll!
    LG u. bis bald, freu mich
    Gaby

  • #10

    Leopoldina und Herberto (Sonntag, 08 April 2012 12:02)

    Haben zwei Figuren gekauft, erfreuen uns jeden Tag daran

    Wir kommen wieder

  • #9

    Sandi aus Berlin (Freitag, 30 März 2012 14:09)

    Liebste Myri,

    tolle Seite. Deine wunderschönen Weibsbilder kommen gut zur Geltung. Freu mich sehr, dass ich sie jetzt auch von Zeit zu Zeit bewundern kann.
    Ich freu mich sehr, über dich als Künstlerin und Freundin!

    Bussi
    Fühl dich gedrückt
    Sandi

  • #8

    janos (Freitag, 09 März 2012 10:29)

    Ahoi Trance !!

  • #7

    Walter (Montag, 05 März 2012 20:59)

    Hallo Myriam!

    Ich habe gerade deine neue home-page besucht toll .
    LG Walter

  • #6

    christine kastner (Sonntag, 26 Februar 2012 11:21)

    liebe myriam,
    es ist eine freude, deine hp anzusehen.ja, ja ,ja, das bist einfach duuuuuu.
    von herzen alles gute, bussi christine

  • #5

    Paul Seidl&Lisi (Samstag, 18 Februar 2012 19:19)

    Hallo Myriam, einfach toll Deine Homepage.Sehr informativ über Dein künstlerisches Schaffen.
    Auch Deine aufgeschlossene, symphatische Art kommt sehr gut rüber. Alles Liebe Lisi&Paul

  • #4

    muna fiedler (Freitag, 17 Februar 2012 08:22)

    Ich freu mich so über deine website. Super schön und angenehm zum Schaun.
    Bin glücklich zu deinen Freunden zu gehören.
    Ich hab dich von Herzen lieb !
    Deine Werke:
    Die Liebe Gottes auf der Erde wirksam werden lassen -
    es ist das, was uns erfüllt und beglückt. Viel Licht und Freude auf deinem Weg. Muna

  • #3

    myra hubers (Donnerstag, 09 Februar 2012 14:44)

    Es sieht ganz Gut aus!Ich hoffe alle Leute stehn jetzt im Schlange für deine Tur und kaufen dir alles ab!!!
    Gute Erfolg Kuss Myra

  • #2

    Petroesjka (Freitag, 27 Januar 2012 07:05)

    Wauw mooie site!! Trots op je!!
    Liefs uit Holland...

  • #1

    hannes (Mittwoch, 25 Januar 2012 12:48)

    die kann was! kann ganz viel! und freu mich wieder gast sein zu dürfen!:-) kannst stolz sein auch auf dieses werk!

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